EW-MA-7.2M: Medien in der beruflichen Aus- und Weiterbildung II (SoSe)

Künstliche Intelligenz verändert die Art, wie wir lehren und lernen — und zwar schneller und grundlegender, als es viele bisher erwartet hätten. In diesem Seminar nähern wir uns dieser Entwicklung nicht nur aus der Beobachterperspektive, sondern nehmen eine aktive Gestaltungsrolle ein: Sie erarbeiten sich als Studierende fundiertes Wissen über KI-Systeme, reflektieren deren Potenziale und Grenzen kritisch und entwickeln — gemeinsam und in Kooperation mit KI-Werkzeugen — ein konkretes digitales Produkt, das unmittelbar in Lehr-Lern-Prozessen eingesetzt werden kann.

Worum geht es in diesem Seminar?

KI-gestützte Sprachmodelle wie ChatGPT, Gemini, Claude und weitere sind keine Science-Fiction mehr — sie sind Gegenwart. Für Lehrpersonen in der beruflichen Bildung und Pflegeausbildung stellen sich damit neue, dringende Fragen: Wie funktionieren diese Systeme eigentlich? Was können sie leisten, und wo liegen ihre Grenzen? Welche Chancen eröffnen sie für das Unterrichten und Lernen — und welche Risiken müssen wir kennen und verantwortungsvoll abwägen?

Diesen Fragen gehen wir im Seminar systematisch nach. Wir beginnen bei den technologischen Grundlagen von KI und großen Sprachmodellen (LLMs), erarbeiten uns ein Verständnis dafür, wie diese Systeme trainiert werden und warum sie so reagieren, wie sie es tun — und leiten daraus ab, wie sie sinnvoll im Bildungskontext eingesetzt werden können.

Was werden Sie lernen?

Im Verlauf des Semesters erarbeiten Sie sich Kompetenzen auf mehreren Ebenen:

  • Grundlagen und Funktionsweise — Sie verstehen, wie KI-Systeme und insbesondere große Sprachmodelle (LLMs) funktionieren, wie sie trainiert werden und warum Phänomene wie Halluzinationen oder Bias entstehen.
  • KI im Bildungsbereich — Sie kennen zentrale Anwendungsfelder von KI für Lehrende und Lernende: von der Unterrichtsvorbereitung über personalisiertes Lernen bis zu KI-gestütztem Feedback und adaptiven Lernumgebungen.
  • Chancen, Risiken und Grenzen — Sie können KI-Einsatz im Bildungskontext kritisch beurteilen — mit Blick auf Datenschutz, Qualitätssicherung, Inklusion, urheberrechtliche Fragen und pädagogische Verantwortung.
  • Eigene Anwendungsszenarien — Sie entwickeln konkrete Ideen für den KI-gestützten Unterricht in Ihrem Fachkontext (Pflege, berufliche Bildung, außerschulische Pädagogik) und setzen diese prototypisch um.
  • Erfahrungsaustausch und Best Practices — Sie reflektieren gemeinsam, welche Rolle KI sinnvoll und verantwortungsvoll in Lehr-Lern-Prozessen übernehmen kann, und entwickeln eine fundierte eigene Position.

Das gemeinsame Projekt im Seminarverlauf: Content-Kit Next

Ein besonderes Merkmal dieses Seminars ist, dass wir nicht nur über KI sprechen, sondern mit KI arbeiten — und dabei gemeinsam etwas Bleibendes mit pädagogischer Relevanz schaffen wollen.

Das Content-Kit ist ein bestehendes Content-Publishing-System auf Basis von WordPress, mit dem Lehrpersonen und Lernende schnell, einfach und ohne Programmierkenntnisse eigene Inhalte online stellen können. Diese Seminar-Homepage ist tatsächlich damit gestaltet und wird seit einigen Jahren für das Lehren und Lernen erfolgreich (oder nicht!?) eingesetzt.

Im Seminar entwickeln wir gemeinsam das „Content-Kit Next“ — eine vollständige Überarbeitung und Neugestaltung dieses Tools, angereichert um viele zeitgemäße Funktionen für das Lehren und Lernen sowie verbesserte didaktische Bausteine.

Das Besondere: Wir entwickeln dieses Tool im Seminarkontext gemeinsam als Lerngruppe mit Hilfe von KI-Tools — in einem Ansatz, der als „Vibe-Coding“ bezeichnet wird. Dabei werden KI-Systeme wie z.B. Claude Code oder ChatGPT Codex in natürlicher Sprache angewiesen, den Programmcode zu schreiben und weiterzuentwickeln. Programmierkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. Stattdessen kommt es auf präzise Beschreibungen, klare Anforderungen und ein Verständnis dafür an, was man von der KI erwartet — und was man kritisch prüfen muss.

Als Prüfungsleistung entwickeln Sie im Verlauf des Semesters eine digitale Lernumgebung zu einem selbstgewählten Thema aus Ihrem beruflichen Fachkontext (z. B. Pflege, Handwerk, Gesundheitsberufe, außerschulische Pädagogik). Die Lernumgebung wird auf Basis des im Seminar gemeinsam entwickelten Content-Kit Next erstellt und soll Lehr- und Lernprozesse in der beruflichen Aus- oder Weiterbildung konkret unterstützen.

Die Entwicklung erfolgt überwiegend in der Seminarzeit unter Einsatz von KI-gestützten Werkzeugen (Vibe-Coding) sowie auf Grundlage der im Seminar erarbeiteten medienpädagogischen und berufspädagogischen Konzepte.

Die Prüfung kann als Einzel- oder Gruppenleistung (max. 3 Personen) erbracht werden. Bei Gruppenleistungen muss der individuelle Beitrag jedes Mitglieds — sowohl im Produkt als auch in der Präsentation — klar erkennbar und benennbar sein.

PhaseZeitraumInhalt
EntwicklungApril–Juli (Seminarzeit)Laufende Arbeit an der Lernumgebung im Seminar
Abgabebis 31. August 2026URL der Lernumgebung + KI-Dokumentation
Mündliche PrüfungSeptember 2026Präsentation und Fachgespräch (Termine nach Vereinbarung)

Die Lernumgebung muss folgende Mindestanforderungen erfüllen:

  • Thematische Fokussierung auf einen konkreten Lerngegenstand aus der beruflichen Aus- oder Weiterbildung
  • Erkennbare Zielgruppenorientierung (Auszubildende, Fachkräfte, Pflegeschüler:innen o. ä.)
  • Didaktisch begründete Inhaltsstruktur, die Lehren und/oder Lernen aktiv unterstützt
  • Realisierung mit Content-Kit Next, zugänglich über eine stabile URL
  • Transparente Dokumentation des KI-Einsatzes (s. u.)

Die mündliche Prüfung gliedert sich in eine Präsentation der Lernumgebung (ca. 10–15 Min.) und ein anschließendes Fachgespräch (ca. 10–15 Min.). In beiden Teilen begründen Sie Ihre Gestaltungsentscheidungen aus zwei Perspektiven:

Medienpädagogisch: Warum diese digitale Form? Welche Lernprinzipien leiten die Gestaltung? Wie wurden Potenziale und Grenzen von KI bewusst eingesetzt und reflektiert?

Berufspädagogisch: Wie passt die Lernumgebung zur Zielgruppe und zum beruflichen Handlungsfeld? Welche didaktischen Entscheidungen wurden warum getroffen?

Der Einsatz von KI-Werkzeugen ist während des gesamten Entwicklungsprozesses laufend zu dokumentieren und wird als eigenständiger Teil der Abgabe eingereicht. Die Dokumentation umfasst mindestens:

  • kritische Reflexion: Was hat die KI geleistet — und wo waren menschliche Korrekturen, Eingriffe oder Verwerfungen notwendig?
  • eingesetzte Werkzeuge (z. B. Claude Code, ChatGPT) und exemplarische Prompts
  • Entscheidungen, die von der KI übernommen wurden, und solche, die bewusst manuell getroffen wurden

Medienpädagogik & Berufspädagogik

Literatur Spezial – Thema KI:

Content-Kit Next: Infobereich

Changelog (hier halten wir Änderungen systematisch fest)

Versionen zum Download

KI-Tools: Eine KI-Tool-Übersicht

ChatAI / Academic Cloud

Alle möglichen KI-Tools / Service der Uni (GER)

ChatGPT

LLM der Firma OpenAI (USA)

Claude

LLM der Firma Anthropic (USA)

Grok

LLM der Firma xAI bzw. SpaceX (USA)

Gemini

LLM der Firma Google (USA)

Le Chat / Mistral

LLM der Firma Mistral (Frankreich)

Perplexity

KI-Suchmaschine der Firma Perplexity AI (USA)

Elevenlabs

KI-Tool für die Stimmerzeugung

NotebookLM

KI-Tool zur Erstellung von Podcasts und Info-Grafiken

WisprFlow

KI-Tool für das Umwandeln von Sprache zu Text

Seminarverlauf & Meilensteine

In beiden Seminarteilen werden aufeinander aufbauende Inhalte und Themenfelder erarbeitet.

05.05.2025, 10-14 Uhr

KI für Lernende & Content-Kit Next – Refinement I

  • Adaptive Lernsysteme, KI-Feedback, personalisierte Lernpfade
  • Testing

12.05.2025, 10-14 Uhr

Datenschutz, Recht & Qualitätssicherung beim KI-Einsatz

  • DSGVO & KI
  • EU-AI-Act
  • Urheberrecht
  • Datensouveränität

19.05.2025, 10-14 Uhr

KI für Lehrende & Content-Kit Next – Prototyping II

  • Prompt-Engineering für den Bildungskontext: Prompt-Anatomie, Techniken und Frameworks
  • Gen AI Literacy

26.05.2025, 10-14 Uhr

KI für Lernende & Content-Kit Next – Refinement II

bis zum 30.09.2025

Fertigstellung der Lehr-Lernumgebung, Einreichen bei Christian Staden per Mail

  • Abgabe der Lehr- bzw. Lernumgebung bei Christian Staden
  • Die Bewertung der Modulleistung erfolgt, sobald alle Abgaben eingegangen sind