Didaktische Analyse

Bei der didaktischen Analyse geht es vereinfacht gesagt um die Beantwortung der Frage, ob sich das, was man den Schülern anzubieten hat, überhaupt lohnt. Die didaktische Analyse ist Mittelpunkt des bildungstheoretischen Didaktikansatzes, der im wesentlichen durch Wolfgang Klafki geprägt wurde und heute noch wird.

Die bildungstheoretische Didaktik möchte dem Lehrenden die Möglichkeit einer detaillierten Unterrichtsvorbereitung ermöglichen. Das Ziel von Unterricht soll es sein, den Schüler zu bilden. Dabei wird in Abgrenzung zur beruflichen oder speziellen Ausbildung für den Schulbereich der Primar- sowie der Sekundarstufe I und II der Begriff der Allgemeinbildung gewählt. Der von KLAFKI gebrauchte Begriff der Allgemeinbildung leitet sich vom klassischen Bildungsbegriff des 19. Jahrhunderts ab, der durch Personen wie HUMBOLDT, PESTALOZZI, SCHLEIERMACHER und HERBART geprägt wurde. Gekennzeichnet war der klassische Bildungsbegriff durch die Aufgabe, mit Hilfe von Bildung und Erziehung den Menschen zur Mündigkeit zu verhelfen. JANK & MEYER (1991, S. 139) fassen die Ausführungen KLAFKIS zum Wesen der Allgemeinbildung wie folgt zusammen: „Allgemeinbildung bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen, kritisch, sachkompetent, selbstbewußt und solidarisch zu denken und zu handeln“.

Für den Lehrer stellt sich nun das Problem aus der Fülle von Unterrichtsthemen bzw. Lerninhalten solche auszuwählen, die geeignet sind, um die Fähigkeiten im Sinne KLAFKIS Allgemeinbildungsbegriffes bei Schülern zu entfalten. Um diese Aufgabe dem Lehrer zu erleichtern, hat KLAFKI fünf Grundfragen formuliert anhand deren Erörterung sich entscheiden läßt, ob das gewählte Unterrichtsthema den Anforderungen Allgemeinbildung zu vermitteln gerecht wird. Mit anderen Worten: Der Lehrer sollte bei der Unterrichtsvorbereitung reflektieren, welcher Bildungsgehalt im Bildungsinhalt enthalten ist, der es rechtfertigt ihn im Unterricht zu behandeln.

Die fünf von KLAFKI (1958, S. 450-471) formulierten Grundfragen lauten wie folgt:

  1. Welche Bedeutung hat der betreffende Inhalt bereits im geistigen Leben der Kinder meiner Klasse, welche Bedeutung sollte er – vom pädagogischen Gesichtspunkt aus gesehen – darin haben?
  2. Worin liegt die Bedeutung des Themas für die Zukunft der Kinder?
  3. Welches ist die Struktur des (durch die Fragen I und II in die spezifisch pädagogische Sicht gerückten) Inhaltes?
  4. Welchen allgemeinen Sachverhalt, welches allgemeine Problem erschließt der betreffende Inhalt?
  5. Welches sind die besonderen Fälle, Phänomene, Situationen, Versuche, in oder an denen die Struktur des jeweiligen Inhaltes den Kindern dieser Bildungsstufe, dieser Klasse interessant, fragwürdig, zugänglich, begreiflich, „anschaulich“ werden kann?

Diese Auseinandersetzung mit den Unterrichtsinhalten bzw. -themen wird als didaktische Analyse bezeichnet und findet in der Form heutzutage immer noch Anwendung bei der Planung von Unterrichtsstunden bzw. Unterrichtseinheiten, sowohl bei Lehrern als auch bei Referendaren im Zuge ihrer Vorbereitungszeit auf den Schuldienst. Lediglich solche Begriffe wie Kinder werden wohl, der heutigen Zeit angepasst, durch Schüler ersetzt.