Didaktische Prinzipien

Nachfolgend sind didaktische Prinzipien aufgeführt, auf die sich Lehrpersonen für die Planung von Unterricht beziehen können. Folgende Charakteristika gelten für didaktische Prinzipien:

  • Sie gelten als Kriterien für guten Unterricht.
  • Sie leiten das unterrichtspraktische Handeln und Reflektieren.
  • Sie stellen zentrale Bestimmungsfaktoren für die methodischen Entscheidungen dar.
  • Sie werden aufgrund ihres normativen Charakters zur Planung, Durchführung, Auswertung und Legitimation von Unterricht herangezogen.

Anschaulichkeit und Übertragung

  • Rückgriff auf unterschiedliche Abstraktionsstufen (reale Gegenstände, bildliche Darstellungen etc.).
  • Anschauung ist mit Erfahrung verbunden: Konkrete Erfahrung der Wirklichkeit durch Anschauung und die Anwendung der erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten auf ähnliche Lernsituationen.
  • Durch das Prinzip der Anschauung wird Lerninteresse geweckt und verstärkt (Motivationsfunktion), das Begreifen und Verstehen erleichtert und die Übernahme ins Langzeitgedächtnis gefördert. 

Strukturierung und Ritualisierung

Struktur und Rhythmus geben Lernenden SicherheitZiel ist die Vermittlung von emotionaler Sicherheit und die Fokussierung der Aufmerksamkeit und Aktivierung der Schüler*innen.
Rituale und Strukturierungshilfen sollten immer kritisch reflektiert werden und nicht zum „Selbstzweck“ werden.

  • Struktur im Unterricht ergibt sich durch die Teilung des Unterrichts in mindestens drei Phasen:
    • Einstiegsphase
    • Erarbeitungs- und Hauptphase
    • Abschlussphase & Ergebnissicherung
  • Strukturierung erfolgt zur Verdeutlichung von Abläufen. Dies kann sowohl den Jahres-, Monats- und Wochenrhythmus als auch die Tagesstruktur betreffen. Eine Strukturierung kann jedoch auch zur Veranschaulichung von Handlungsabläufen genutzt werden (vgl. Prinzip der Kleinschrittigkeit).
  • Wiederkehrende Abläufe markieren den Einstieg in eine bestimmte Phase und kündigen diese an. Rituale wie der Morgenkreis, wiederkehrende Elemente des Unterrichtsbeginns, ein Lied zum Beginn des Essens sind Beispiele dafür. Die Strukturierung erfolgt über verschiedene Medien (Symbole, Bilder, Fotos, Lieder etc.) und oder eine handlungsorientierte Gestaltung.

Kleinschrittigkeit

Strukturierung von Aufgaben/Handlungen

  • Einerseits wichtig Aufgaben in kleine Schritte zu zerlegen, um Schüler*innen einen Handlungsplan vorzulegen.
  • Andererseits kann es wichtig sein, den Gesamtzusammenhang einer Handlung zu betonen, um den Sinn des eigenen Handelns zu erkennen.
  • Sinnkontext und Handlungsziel sollten demnach für die Schüler*innen transparent bleiben, auch damit die Schüler*innen in keine ausschließlich reagierende Rolle geraten, da die Lehrperson die Situation zu stark lenkt.

Lebensnähe und Lebenspraxis

  • bezieht die bisherigen Erfahrungen, die gegenwärtige und zukünftige Lebenswelt der Schüler*innen ein (siehe Klafkis didaktische Analyse).
  • Aufmerksamkeit auf die Subjektseite des Bildungsprozesses: den*die Schüler*in. 
  • Inhalte sollten eine zukünftigen größtmöglichen Unabhängigkeit in der selbstständigen Lebensführung ermöglichen

Handlungsorientierung

  • gründet auf Leontjews dominierenden Tätigkeiten und auf das Interiorisationsmodell von Galperin
  • alle Schüler*innen gelten als handlungskompetent, auf je unterschiedlichen Niveaus der Entwicklung.
  • Ein Handlungsprozess beinhaltet vier miteinander verwobene Komponenten:
    • Handlungsorientierung (Wahrnehmung der Situation, Erfassen der Bedürfnisse und Absichten),
    • Handlungsplanung (Ziele setzen und Teilschritte planen)
    • Durchführung
    • Kontrolle (Überprüfung des erreichten Ziels)
  • Handlungsprozesse reduzieren sich nicht auf von außen wahrnehmbare, motorische Tätigkeiten, sondern implizieren einen Zusammenhang von Handlung und Denken.

Ganzheitlichkeit

  • wird auf Pestalozzi und seiner Forderung nach „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ zurückgeführt.
  • beschränkt sich jedoch nicht auf unterschiedliche Sinneskanäle.
  • umfasst alle Entwicklungsbereiche des Menschseins:
    • Wahrnehmung
    • Kognition
    • Bewegung
    • Körpererfahrung
    • Gefühle
    • Soziale Erfahrung
    • Kommunikation
  • Die Bereiche finden immer statt, stehen in Wechselwirkung miteinander und in keiner hierarchischen Ordnung zueinander.

Differenzierung und Individualisierung

Differenzierung:

  • Äußere Differenzierung: Schulform, Alter, Klasse
  • Innere Differenzierung: Sozialformen, Inhalte, Methoden und Medien, Ziele, Lernvoraussetzungen, Lerntempo, Lernstil, Lerninteresse etc.

Individualisierung:

  • Berücksichtigung der individuellen Entwicklungs- und Lernbedingungen jedes*r Schüler*in (siehe Leontjew)
  • Anknüpfung an individuellen Erfahrungen und Vorwissen der Schüler*innen (siehe Lamers & Heinen: elementare Erfahrungen und Zugänge)
  • Förderung individueller Lernwege
  • Lehrperson begleitet, gibt Tipps und Ratschläge und beurteilt Lernzuwachs individuell
  • Je nach Entwicklungsstand der Lernenden wird der Lernprozess von ihnen weitgehend selbst gesteuert.

Weitere Didaktische Prinzipien

  • Kooperation und Kommunikation(-sfähigkeit)
  • Mündigkeit
  • Selbstbestimmung
  • Selbsttätigkeit
  • Mitbestimmung
  • Offenheit
  • (Eigen-) Aktivität
  • Solidarität
  • Erfahrungsbezug
  • Emanzipation
  • Aufklärung
  • Lernzielstrukturierung
  • Entwicklungsgemäßheit
  • Aktionsbegleitetes Sprechen
  • Soziales Lernen

Literaturangaben

  • Jank, W. & Meyer, H. (2019). Didaktische Modelle. Berlin: Cornelsen